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Besuch von Nachbarn

Von Wildschweinen zerpfügte Rasenfläche.Sie waren da. Nun also auch bei uns. Besucher, die sich benommen haben wie die Schweine – waren sie ja auch. Die Gastfreundschaft dank einer offen stehenden Tür behagte ihnen, die Rotte ließ sich nicht zweimal bitten und rüffelte durch Gras und Moos. Leider sorgfältig und flächendeckend.

Die Plagegeister machten dabei eigentlich nur das, was sie sonst auch tun. Sie durchstreiften angestammte Lebensräume auf der Suche nach Nahrung. Wildschweine sind die Stammform unserer Hausschweine und ihr vermehrtes Vorkommen in den vergangenen Jahren hat eine ganze Reihe von Gründen. Zum einen mögen sie Mais. Der wird in brandenburgischen Breiten sehr gern angebaut, sodass sich die Borstentiere einen oder gleich mehrere Besuche gönnen können. Zum zweiten sind die Rüffelnasen tierische Nachbarn, denen wir Siedler Grundstück für Grundstück das Territorium wegnehmen. So ziehen sie nicht mehr nur über Flure und Waldwege, sondern auch durch Straßen und Alleen. Pikant dabei ist, je weiter wir uns ausdehnen – Stahnsdorf hatte vor 25 Jahren nicht einmal halb so viele Einwohner wie heute - desto dichter kommen sie bei ihren Streifzügen auch in die Zentren. Zaunfelder säumen ihren Weg, und je länger diese durchgehend verschlossen sind, desto weiter dringen die Allesfresser vor. Übrigens immer der Nase nach, gut sehen können sie nicht gerade.
Und zum dritten rüsten die Schwarzkittel offensichtlich zu einer evolutionären Massenschlacht. Wegen des immer milderen Klimas hat sich die Tragezeit auf 120 Tage verkürzt, innerhalb eines Jahres kann sich die Population somit theoretisch verdreifachen. Das Volk der Biester wächst schneller als wir!


Wildschweine sind allerdings kein Raubwild. Dagegen jaulen zwar seit langem zahlreiche verletzte Hunde an, allerdings bekamen diese nach mutigem, leinenlosen Angriff nur die Macht des Stärkeren zu spüren. Wie aber sich verhalten, wenn sich so ein Schwein, nennen wir es Herr Keiler, einem in den Weg stellt? Wobei es meistens doch eher eine Frau Bache ist, die die Rotte anführt. Junge männliche Tiere haben es nicht so mit der Familie und die ausgewachsenen Keiler sind sowieso Einzelgänger. Wir sind mit großer Wahrscheinlichkeit also Nachtopfer des Matriarchats geworden. Was aber nun tun bei einer Begegnung?
Die wichtigsten Faustregeln: sich lautstark bemerkbar machen, hastige Bewegungen vermeiden und besondere Vorsicht walten lassen, wenn Frischlinge in der Nähe sind oder es sich um ein verletztes Tier handelt. Im Wald flüchtet das Tier schon auf 150 Metern Entfernung, im Siedlungsraum versagt den Vierbeiner erst auf fünf Metern der Mut. Weitere wertvolle Hinweise geben die Stahnsdorfer Gemeindeverwaltung und die Jagdgenossenschaft Stahnsdorf-Kleinmachnow auf ihren Internetseiten.

Jetzt überlege ich nur noch, ob ich Weihnachten statt Gänsekeule mal Wildschwein-Ragout favorisiere. Strafe muss schließlich sein, oder? Andererseits: Schonzeit haben die Nimmersatte schon länger nicht mehr.

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