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Das Ende der Friedhofsbahnbrücke

Die Friedhofsbahnbrücke im November 2018. Foto:mhoEin kalter, trockener Spätherbsttag am Teltowkanal. Paddler ziehen ihre Bahn, ein tiefliegendes Frachtschiff durchpflügt das Wasser, ab und an sitzt ein Angler am Wegesrand und immer wieder sind Spaziergänger und Radfahrer unterwegs. Ein Turm am Ufer, auf dem zu DDR-Zeiten Soldaten die Grenze zwischen Ost und West kontrollierten, gehört inzwischen zu einer Hotel-Campinganlage und birgt unter anderem Waschmaschinen und Vorräte.

Über den Kanal spannen sich nach Osten zwei Brücken, nach Westen weiter entfernt eine dritte. Das Wasser fließt ruhig, aber bestimmt. Es ist etwas diesig. Einsamkeit liegt über dem Areal, das sich vor Dreilinden entlang der Uferkante zieht.



In der letzten Novemberwoche 2018 ist das anders. Die Tage der Friedhofsbahnbrücke mit ihrer Spannweite von 62 Metern sind gezählt. Vier Tage lang rund um die Uhr werden die Eisenträger demontiert und abtransportiert. Übrig bleiben nur die seitlichen Pfeiler. Der Blick auf die blau gestrichene Autobahnbrücke, die Brandenburg und Berlin über die A115 verbindet, liegt im freien Blickfeld. Vorerst. Wie lange, das weiß keiner so genau. Vielleicht rollen 2034 Züge über eine neue Brücke zwischen Wannsee und Stahnsdorf. Vielleicht auch nicht. Es gibt mehrere Konzepte, zusammengefasst finden sie sich im Tagesspiegel. In den Gemeinden Stahnsdorf und Kleinmachnow – Teltow hat schon seit 2005 eine S-Bahn-Anbindung nach Berlin – wird eine Bahnlösung bevorzugt. Eine Tram nach Potsdam löst die Probleme nicht, ganz Mutige möchten die U-Bahn von Krumme Lanke in den Speckgürtel hineinverlängern. Ganz am Ende könnte der Ringschluss stehen. Derzeit gibt es viele Diskussionen, aber nicht einmal ausreichend Gemeinsamkeiten für einen Radschnellweg.

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14532

Briefzentrum Stahnsdorf. Foto: mho
14532 – das ist die Postleitzahl für meinen Heimatort Stahnsdorf, aber auch gültig für Kleinmachnow, Fahlhorst, Nudow und Philippsthal. Ich wohne hier mit ein paar Unterbrechungen bereits seit 1978, bin ein "Eingeheirateter", der aus Ludwigsfelde stammt. Die W50-Stadt war bei meiner Geburt noch unter 2, später 1720 geführt und schließlich mit der PLZ 14974 erreichbar, wenn ich meinen Eltern schreiben wollte.

Erste Postleitzahlen gab es in Deutschland schon 1853. Da verwendete die Thurn und Taxische Postverwaltung sogenannte Ringnummernstempel. 1917 veröffentlichte Carl Bobe ein Orgaschema und gliederte Deutschland erstmals in Großräume, regionale Gebiete und örtliche Bereiche. Im Zweiten Weltkrieg sollten Feldpostnummern helfen, die Post zwischen Soldaten und Familien schneller zu befördern, auch für Päckchen gab es ein Extrasystem, weil es immer schwieriger geworden war, Fachkräfte mit ausreichend geographischem Wissen für die Sortierung zu finden. Zum 1. November 1943 wurden im Deutschen Reich ein- bzw. zweistellige Nummerierungen für alle Sendungen eingeführt. Genutzt wurden sie allerdings meist nur durch behördliche Stellen, die Menschen hatten in den letzten Kriegsmonaten gänzlich andere Sorgen.

Vergißmeinnicht – Die Postleitzahl

Nach dem Krieg wurden die Zweisteller weiterverwendet, sogar lange Jahre einheitlich für Ost und West. Von den Bürgern jedoch häufig nur nach dem Zufallsprinzip. 1952 wurden beispielsweise nur ein Drittel aller Sendungen mit der richtigen Zahlen- oder Kleinbuchstabenkombination versehen. Dass dann zuerst die Bundesrepublik 1962 ein eigenes System entwickelte, hatte also weniger mit dem Mauerbau zu tun, sondern mit der zunehmenden Logistik im Brief- und Paketverkehr. Begleitet wurde die Einführung durch eine Samstagabendshow mit Peter Frankenfeld unter dem Titel "Vergißmeinnicht – Die Postleitzahl". Die DDR folgte 1965, Stahnsdorf, bisher wie Ludwigsfelde der Postleitzahl 2 zugehörig, war fortan unter 1533 addressiert, Teltow unter 1530 und Kleinmachnow unter 1532. Deutschland war das erste Land der Welt, das Postleitzahlen verwendete, die USA folgten 1963, Frankreich 1965 die Niederlande beispielsweise erst 1978.

Nach der Wende wurden schließlich zum 1. Juli 1993 die heute gebräuchlichen Postleitzahlen eingeführt. POSTDIENST-Direktor Heimo Thomas hat dies im "Archiv für deutsche Postgeschichte" ausführlich dargestellt. Unter anderem wurden dabei 800 Doubletten entfernt. 5300 stand bis dahin nämlich ebenso für Bonn wie für Weimar. Das Postleitzahlenbuch von 1993 war 1000 Seiten stark, 1,3 Kilogramm schwer und wurde in einer Auflage von 34 Millionen Exemplare durch fünf Druckereien als "größter Druckauftrag aller Zeiten" hergestellt. Briefträger, die die Wälzer anschließend persönlich beim Kunden ablieferten, erhielten als "Erschwerniszulage" 60 Pfennig pro Buch, Beamte sogar zehn Pfennig mehr.

Seit 2. Mai 1996 hat Stahnsdorf sogar ein "eigenes" Briefzentrum Berlin-Südwest an der Ruhlsdorfer Straße. Es bearbeitet etwa 1,5 Millionen Postsendungen am Tag für die Postleitregion "14", verkraftet aber das Doppelte – zum Beispiel zu Weihnachten. Interessante Fakten zum Stahnsdorfer Briefzentrum hat die Märkische Allgemeine anlässlich des 20-jährigen Jubiläums 2016 veröffentlicht.